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Atelier Gerhild Mölle 


Buchkunst, Literatur, Malerei
und Grafik zu christlichen Themen

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Leseproben

 

 

 

 

Geschichten / Leseproben aus:

 

Schneeverwehung - Spuren einer Geschichte  <Leseproben>

 

Erstes Geschehnis: „Schneegefährten“

Frisch war der Schnee noch und unberührt, es hatte die ganze
Nacht ununterbrochen geschneit und der Morgen war jung und
neu.

Eine lange Straße zog sich von weither zwischen den einsam
daliegenden, tief verschneiten Feldern hindurch, machte
oberhalb eines sanften Hügels, hinter einem kleinen Wäldchen
eine Biegung und verschwand;
alles lag friedlich und still im Nebel des frühen Morgens.

Weit hinten, am Horizont, ragte, kaum sichtbar und vom
Nebel eingehüllt, eine zwiebelförmige, barocke
Kirchturmspitze in den Himmel. Zwei breite, tiefe
Reifenspuren durchzogen die dicke Schneeschicht auf
dem Asphalt, schwangen sich in einem leichten Bogen
hin zu einem alten, verwitterten Holzhäuschen mit
türlosem, breiten Eingang, das weit sichtbar am Rande der
Straße stand und vor dem ein gelbes Schild mit einem grünen
aufgemalten „H“ auf einer Stange befestigt war, die, tief in den
gefrorenen Boden eingerammt, vor dem Holzhäuschen aufragte.

Von dort setzten sich die Reifenspuren gradlinig in
Richtung des Wäldchen oberhalb des Hügels fort.
An einer Stelle vor dem Häuschen war der
Schnee tief eingedrückt: die Abdrücke von
schweren Stiefeln zeichneten sich dort deutlich ab
und setzten sich gleichmäßig und in gleich bleibender
Schärfe im Schnee fort, wobei sie eine Spur bildeten
von leicht versetzt aufeinander folgenden,
mit den Spitzen jeweils leicht nach außen gerichteten
Schuhabdrücken, die geradewegs zum Feldweg
am Rande des Wäldchens führte.

Etwas weniger scharf, aber ebenso gradlinig
zeichnete sich neben der Spur mit den schweren
Stiefelabdrücken eine zweite von deutlich
kleineren Stiefeln oder derben Schuhen im Schnee ab.
Auch hier folgten die Abdrücke leicht versetzt
aufeinander, wobei wie bei der ersten Spur
jeder einzelne Abdruck mit der Spitze leicht nach außen
zeigte, immer im Wechsel, mal nach links außen,
mal nach rechts.

Auch diese zweite Spur führte zum Rand des Wäldchens
hin, verlief dabei nahezu parallel zur ersten, manchmal
aber auch die erste Spur kreuzend oder sogar
überdeckend und von Zeit zu Zeit von paarweise angeordneten
Schuhabdrücken in ihrem gleichmäßigen Verlauf unterbrochen,
ähnlich wie große, einzelne Perlen inmitten einer sorgfältig,
aus kleinen, aufgefädelten Perlen geknüpften Halskette. .....


Zweites Geschehnis: „ Das Vogelpaar “

...

Sogleich begannen die Vögel hastig, winzige
Keksreste, die an manchen Stellen des Papiers
klebten, von den Schnipseln zu picken,
so daß nach und nach ein darunter verborgener,
aufgedruckter und teilweise abgerissener Schriftzug
des Namens einer Stadt im Norden zum Vorschein kam.

....


Drittes Geschehnis: „ Feierabend “

Der Fahrer am Steuer des Busses spürte, wie ihm die Lider
schwer wurden. Er stellt die leise Radiomusik,
die aus dem kleinen Apparat neben dem Lenkrad ertönte,
etwas lauter und dachte mit schläfrigem Behagen an seinen
Feierabend, der mit dem Erreichen des nächsten Ortes
endlich beginnen würde.

Inzwischen hatte das starke Schneetreiben mit den heftigen
Windböen, das während seiner Dienstfahrt am frühen Vormittag
plötzlich eingesetzt hatte, wieder nachgelassen,
und er konnte nun die Fahrt entspannter fortsetzen,
zumal sich auch kein einziger Fahrgast mehr im Bus befand.

Sein Blick wanderte durch die Windschutzscheibe über die
weiten weißen Felder, über die kleinen Anhöhen und über
die wie eine Ansammlung von Spielzeughäuschen
daliegenden Marktflecken, aus deren Mitte
barocke Kirchturmspitzen hervorragten, vorbei an den
von Zeit zu Zeit am Straßenrand auf den Boden gestellten,
kleinen Holzkreuzen, vor denen sich Sträuße von welken
Blumen häuften, und vorbei an den am Wegrand aufgestellten
Kruzifixen mit den über und über vergoldeten Christus-Figuren.

Wie schön es doch hier bei uns ist, dachte er zufrieden,
das hatten auch schon viele Fremde entdeckt.
Solche wie die beiden jungen Leute heute Morgen, .....


Viertes Geschehnis: „Verwehte Spuren“

Der langsam wieder einsetzende Schneefall
am frühen Morgen war im Verlaufe des
Vormittags, zunächst noch unterbrochen
von strahlendem Sonnenschein,
in ein heftiges Schneetreiben übergegangen;

es verwischte nach und nach die Spuren auf
dem Feldweg, bedeckte sie zart und unaufhaltsam
mit Milliarden und Billionen von frischen Schneeflocken, .....



<Ende der Leseprobe...>   <Künstlerbuch: Schneeverwehung>



© Gerhild Mölle, 2006, Kurzgeschichte im Künstlerbuch “Schneeverwehungen”

 

 

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12 Juli, 2010 © Atelier G.Mölle